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Das Problem ist der Krieg

Familienzusammenführung in Frankfurt
Das Problem ist der Krieg
Das Problem ist der Krieg
Viele Anträge musste Mohamad Alibrahim ausfüllen. © Tobias Steiger

Zwei Ordner voller Anträge und Unterlagen, im Nachbarraum in einem Schrank ist noch mehr. Mohamad Alibrahim ist alleine aus Syrien geflüchtet. Nun wohnt er in einem Wohnhaus in Frankfurt. Mit seiner Familie – dank der Möglichkeit des Familiennachzugs. Bis es so weit war, ist viel Zeit vergangen. Insgesamt 20 Monate hat Alibrahim seine Familie nicht gesehen. Für ihn 20 Monate, in denen die Hoffnung immer kleiner wurde und Alibrahim vor Kummer und Sorge 15 Kilo abgenommen hat.

Alibrahim stammt aus Aleppo und ist 51 Jahre alt. Er hat sieben Kinder, davon ist eines schwerbehindert. In Syrien hat er als Rechtsanwalt gearbeitet. 20 Jahre lang mit dem Schwerpunkt Internationales Recht. Am 17. Dezember 2014 ist er nach Deutschland gekommen. „Ich hatte Angst vor dem Krieg in Syrien und habe mir Sicherheit für mich und meine Familie in Deutschland erhofft“, erzählt Alibrahim. Dass er heute mit seiner Familie in Frankfurt wohnt und sein Sohn in Mannheim studiert, erfüllt ihn mit Dankbarkeit. Der Weg bis zu diesem Punkt war aber beschwerlich.

Acht Stopps bis Deutschland

„Das Problem in Syrien war der Krieg“, sagt Alibrahim. „Ich bin im Dezember 2013 nach Jordanien geflüchtet, dann nach Dubai, in die Türkei. Über Griechenland weiter nach Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich bis nach Deutschland.“ Zu Beginn ist er mit seiner Familie geflohen. Während er jedoch den Weg bis Deutschland bestritt, lebte seine Familie zunächst in Jordanien – ohne Papiere. Mit Geld und Geduld konnten die Papiere beschafft werden. „Die Familie hatte keine Pässe, keine Ausweise, keine Dokumente. Da mussten wir viel Geld bezahlen, um die Unterlagen zugeschickt bekommen zu können“, erzählt Alibrahim. Diese Dokumente mussten von der Botschaft beglaubigt werden, die Botschaft sei aber in den Libanon versetzt worden. Somit mussten die Unterlagen von Syrien in den Libanon geschickt werden, dann nach Jordanien und schließlich nach Deutschland.

Die Bürokratie in Deutschland hat Alibrahim geschockt. Viele Anträge, die ausgefüllt werden mussten, alles in Behördendeutsch. „Ich habe nicht mehr daran geglaubt, dass es funktioniert. Ich war auf einmal hoffnungslos, als ich gesehen habe, wie schwer das ist. Ich habe immer gedacht, ich sehe meine Familie nicht wieder“, sagt der Syrer. Bei der Bürokratie hat die Caritas geholfen. Ungefähr elf Monate habe es gedauert, bis die Zusage zur Familienzusammenführung da war. „Fünf Personen der Familie sind mit dem Flugzeug gekommen“, erzählt Alibrahims Sohn Zien. „Mein Bruder und ich sind über die Balkanroute zu Fuß, mit der Bahn und mit dem Bus nach Deutschland gelangt.“

© Tobias SteigerVereint in Deutschland: Familie Alibrahim in Frankfurt.

Dankbarkeit, Rechte, Pflichten

Mit der Ankunft der Familie in Deutschland habe er seine Seele zurückbekommen, beschreibt Alibrahim. Trotzdem ist nicht die ganze Familie vereint. Seine Tochter lebt in Jordanien. Sie hat er seit seiner Flucht nicht mehr gesehen. „Sie ist nun schon Mutter. Wir haben nur telefonisch Kontakt“, beschreibt er. Trotzdem sagt er: „Ich kann meine Dankbarkeit für die Deutschen und die Regierung nicht ausdrücken. Ich bin sehr dankbar, dass Deutschland uns die Möglichkeit gegeben hat, dass wir uns treffen, dass wir weiterleben können, dass wir uns wie Menschen fühlen, wo man seine Rechte und Pflichten hat. Ich fühle mich angekommen und habe auch das Gefühl, Pflichten zu haben, ebenso wie Rechte.“

Video zur Familienzusammenführung

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