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Mut machen: Wir schaffen das

Mut machen: Wir schaffen das
Mut machen: Wir schaffen das

WIESBADEN. ? Die Kirche muss im Blick auf die Flüchtlingssituation den Satz „Wir schaffen das“ stark machen: Das hat Dr. Wolfgang Pax, Leiter des Kommissariats der katholischen Bischöfe in Hessen, am Samstag, 14. November, in Wiesbaden gefordert. Es gelte, den Menschen Mut zu machen, dass „wir die Kraft haben, das zu bewältigen und zu gestalten“, sagte er auf der Sitzung der Diözesanversammlung. Ebenso wie der Hauptreferent des Tages, Dr. Rupert Neudeck, warnte Pax davor, ein „Kippen der Stimmung“ herbei zu reden und förmlich zu beschwören. Zugleich plädierte er für eine Versachlichung der Debatte und dafür, verbal „abzurüsten“.

Respektvolle Sprache

In der Politik in Hessen erlebe er eine respektvolle Sprache, wenn es um Flüchtlinge gehe, berichtete Dr. Pax dem Gremium, sowie ein hohes Engagement der Landesregierung und der Ministerien. Er zitierte Ministerpräsident Bouffier mit den Worten, „was wir machen, machen wir nicht für die Flüchtlinge, sondern für uns“ und sprach in diesem Zusammenhang die auch in der späteren Diskussion im Plenum mehrfach genannte Sorge an, dass hier lebende Menschen mit niedrigeren Einkommen gegen die Flüchtlinge ausgespielt werden könnten. Stattdessen bedürfe es generell einer konsequenteren Politik für den unteren Mittelstand.

Herausforderung als Chance

Nicht bei dem stehen zu bleiben, was die Politik macht: So lautete der Appell, den Dr. Rupert Neudeck in seiner Rede an die Mitglieder der Diözesanversammlung richtete. Der christliche Auftrag sei immer ein bisschen anders als der staatliche. „Es gibt Kategorien der Barmherzigkeit, die weit über staatliche Ordnung hinaus gehen“, sagte der Mitgründer von Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e.V. und Vorsitzende des Friedenskorps Grünhelme e.V. Er ermunterte ausdrücklich dazu, die große Herausforderung als ebenso große Chance wahrzunehmen, als eine Situation, „die uns stolz machen sollte.“ Die Menschen kämen wegen der Möglichkeit, hier in Frieden und Sicherheit zu leben: „Diese unglaubliche Gunst, die wir täglich genießen, gibt es nur in Europa.“

Katholische Schulen einbinden

Aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus unterstrich Neudeck die oberste Priorität, die jedweden Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen eingeräumt werden müsse. Mit dem Bau von Schulen versuche seine Organisation, dafür in den Herkunftsländern der Flüchtlinge Voraussetzungen zu schaffen. Die Schwierigkeiten, die sich hierzulande bei der Beschulung von über 18-jährigen Flüchtlingen ergeben, führten zu einem einstimmigen Beschluss der Diözesanversammlung,  in dem sie ihre Erwartung an die Diözese formuliert, „in Schulen in kirchlicher Trägerschaft ein entsprechendes, über das staatliche Angebot hinausgehendes Schulangebot einzurichten und zu finanzieren.“ Was das Bistum Limburg davon unabhängig bereits in der Flüchtlingsarbeit leistet, von der Unterstützung der Ehrenamtlichen bis hin zu den aufgelegten Fonds für finanzielle Hilfe, listete Annegret Huchler, Beauftragte für Willkommenskultur im Bistum, auf. Als eine der großen Herausforderungen bezeichnete sie die Wohnraumbeschaffung.

Bericht der Präsidentin

Mit innerkirchlichen Ereignissen hatte sich zu Beginn der Sitzung die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, beschäftigt. Die römische Entscheidung, kein Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Bischof von Limburg anzustreben, halte sie nicht für gut, sagte sie. Auch viele Mitglieder des Diözesansynodalrates hätten in entsprechenden Diskussionen unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die Entscheidung im Bistum auf wenig Verständnis stoße und in die deutsche Öffentlichkeit nicht zu vermitteln sei. Als „spürbaren Fortschritt“ bezeichnete sie dagegen die Offenlegung des externen Berichts über die Auswertung der sogenannten Telefonhotline gegenüber dem Diözesansynodalrat durch Weihbischof Manfred Grothe. Er habe sich dabei explizit von dem darin dokumentierten Verhalten der früheren Bistumsleitung distanziert. Schillai informierte in ihrem Bericht die Mitglieder zudem darüber, dass der Apostolische Administrator auf Empfehlung des Diözesansynodalrates einen Prozess der Kirchenentwicklung für das Bistum angestoßen habe, der mit einer Pastoralwerkstatt im Juni 2016 beginnen soll.

Zulassung zum Weiheamt überprüfen

In einem mit großer Mehrheit bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung verabschiedeten Beschluss zu den „Zulassungsbedingungen zum Weiheamt“ plädiert die Diözesanversammlung dafür, die historisch gewachsenen und heute gültigen Zulassungsbedingungen zu überprüfen. Sie sei fest davon überzeugt, dass der verpflichtende Zölibat als grundsätzlich notwendige Voraussetzung zur Priesterweihe in der römisch-katholischen Kirche auf Dauer nicht (mehr) dem Aufbau der Gemeinden diene. Auch könne in der Gesellschaft die Beschränkung von Weiheämtern auf Männer nicht nachvollzogen werden.

Gedanken zur Gemeindeleitung

In einem weiteren einstimmig verabschiedeten Beschluss  zum Thema „Gemeindeleitung“ regt die Diözesanversammlung ein Nachdenken über Formen von Beauftragungen für Dienste in der Gemeinde an. In einem mehrheitlich verabschiedeten Beschluss ? bei zwei Gegenstimmen und zehn Enthaltungen ? bedauert die Diözesanversammlung, dass das Bistum Limburg der „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ nicht beitreten will und bittet den Apostolischen Administrator, seine diesbezügliche Entscheidung zu überdenken.  (rei)

Hier stehen die Beschlüsse zum Download bereit:

Schulbildung für Flüchtlinge

Zulassung zum Weiheamt

Gemeindeleitung

Beitritt zur Charta