Beiträge
Kategorien &
Plattformen
Termine
Kontakte
Flucht darf niemanden gleichgültig sein
Flucht darf niemanden gleichgültig sein

Flucht darf niemanden gleichgültig sein

LIMBURG. Die Heimatlosigkeit durch Krieg, Flucht und Vertreibung sind nach den Worten von Weihbischof Manfred Grothe, dem Apostolischen Administrator im Bistum Limburg, die große Wunde der heutigen Zeit. In seiner Predigt am 58. Kreuzfest der Diözese am Sonntag, 20. September, sprach er sich vor mehreren hundert Gläubigen gegen Gleichgültigkeit und Resignation aus. "Als Christen darf uns das Leben der Menschen in Elend und Not nicht gleichgültig sein", sagte Grothe im Hohen Dom zu Limburg.

Der Administrator wies auf die Zusammenhänge und Bezüge einer globalvernetzten Welt hin: Krieg, Verfolgung und Korruption seien zwar weit weg, das Elend sei jedoch näher als gedacht. Auch dafür stünden die Flüchtlingsströme, die nach Europa, nach Deutschland und ins Bistum, in die eigene Nachbarschaft, kämen. "Das lässt uns nicht gleichgültig. Das erregt die Gemüter und fordert heraus. Gerade als Kirche, als Christen werden wir hier nicht mit dem Rücken zur Welt leben", sagte Grothe. Dankbar blickte der Apostolische Administrator auf das, was vielerorts getan wird, damit die Wunde der Heimatlosigkeit heilen kann. Haupt- und Ehrenamtliche, gerade auch in Kirche und ihrer Caritas, leisteten viel, um die Nöte und vielfältigen Probleme zu lindern.

In diesem Jahr stand neben der bedeutenden Kreuzreliquie das sogenannte Lampedusa-Kreuz im Mittelpunkt des großen Bistumsfestes. Es ist aus Holzplanken von Flüchtlingsbooten gefertigt, die vor der Insel Lampedusa gekentert sind. "Dieses Kreuz erinnert an die Menschen, die weltweit auf der Flucht sind. Es erinnert ebenso an die unzähligen Frauen, Männer und Kinder, die auf der Flucht ihr Leben verloren haben", sagte Grothe. Die Balken des Kreuzes seien nicht unversehrt. Es sei geschunden und mache so auf das Leiden der Menschen aufmerksam.

Initiativen aus den Bezirken stellten sich vor

Um die Situation der Flüchtlinge drehte sich das 58. Kreuzfest des Bistums Limburg: Patenschaften für Flüchtlinge, Sprach- und Integrationskurse, Hilfe bei der Wohnungs- oder Jobsuche, Theater- und Musikprojekte, gemeinsames Kochen: Zahlreiche Initiativen aus verschiedenen Bezirken des Bistums stellten ihre vielfältige Arbeit vor und machten Interessierten Mut, sich selbst in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren.

Das Bühnenprogramm auf dem Limburger Domberg bot neben dem Jugendchor der eritreischen Gemeinde in Frankfurt Informatives rund um die Themen Flucht, Asyl, Willkommenskultur, Solidarität und Weltkirche. Die Journalistin Dr. Birgitta Söling moderierte Gesprächsrunden mit Gästen aus Kirche, Politik und Flüchtlingshilfe. "Ein ganz herzliches Willkommen allen, die nicht in Deutschland geboren und Teil der Kirche sind", begrüßte Domkapitular Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators, die Gäste. Rösch würdigte besonders die muttersprachlichen Gemeinden als großen "Reichtum" für das Bistum Limburg. Heute spüre man, dass Kirche international ist. Entlang der Domstraße war die Ausstellung "Asyl ist Menschenrecht" zu sehen. Sie zeichnete Fluchtwege nach und stellte Fluchtursachen vor.

Höhepunkt des Festes war die Kreuzfeier mit Kreuzverehrung am Nachmittag. Barbara Handke, Direktorin des Caritasverbandes Wiesbaden-Rheingau-Taunus, und Domkapitular Wolfgang Rösch blickten in einer Dialog-Predigt aus ihren beruflichen Perspektiven auf die Flüchtlingsherausforderung. "In der Caritas erleben wir, dass Flüchtlinge unsere Hilfe und unsere Zuwendung brauchen", sagte Handke. Es brauche Wohnraum, gute Unterbringungsmöglichkeiten und Bereitschaft, den Weg der Integration weiterzugehen. Oft seien Haupt- und Ehrenamtliche mit der Situation überfordert. Menschen, die ihnen dann Mut zusprechen und sie stärken seien dann wichtig. Für Domkapitular Rösch ist das Evangelium Provokation und Ansporn zugleich. "Wir dürfen der Not nicht ausweichen und müssen uns fragen, was jeder von uns konkret tun kann", so Rösch. Das Evangelium verspreche nicht, dass ein Leben aus dem Glauben einfach sei. Dennoch gelte es, sich immer wieder in den Dienst nehmen zu lassen. "Bei aller Überforderung im Dienst gibt es auch viel Schönes, dass uns hilft und uns deutlich macht, das wir getragen sind", sagte Handke.

Bistum schließt sich Apell des Papstes an

Zum Kreuzfest hat sich die Bistumsleitung auch dem Appell von Papst Franziskus angeschlossen, dass alle Pfarreien, religiösen Gemeinschaften, Klöster und Wallfahrtsorte eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen soll. "Menschen auf der Flucht haben großes Leid erfahren. Sie haben ihr Leben das ihrer Familie riskiert, um bei uns in Europa Sicherheit und Zuflucht zu suchen. In dieser Situation, die unser Land uns Europa derzeit besonders herausfordert, müssen wir Hilfe leisten", so Weihbischof Grothe in seinem Aufruf. In einem Brief an die Gemeinden bat er darum, in Pfarrgemeinden, in Verwaltungs- und Aufsichtsräten zu überlegen, ob dazu beigetragen werden kann, diese Not zu lindern. (CLM/StS)

 

Eindrücke vom Kreuzfest erstmals in einer Multimedia-Reportage.