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Engagierte Diskussionen und Wissenswertes zum Islam

Wie leben und glauben Muslime? Dieser Frage ging Ende August ein Fachtag nach.
Engagierte Diskussionen und Wissenswertes zum Islam
Engagierte Diskussionen und Wissenswertes zum Islam
© Reutelsterz/Bistum Limburg

Wissenswertes zum Islam und dem interreligiösen Dialog und engagierte Diskussionen, bei denen auch persönliche Glaubensüberzeugungen zur Sprache kamen,: Das hatte ein Fachtag am Samstag, 31. August, zu bieten. Der Tag stand unter dem Thema „Religionssensible Arbeit mit Geflüchteten – Wie leben und glauben Muslime?“ und fand im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden statt. Zu der Veranstaltung hatte das Projekt  „Willkommenskultur für Flüchtlinge im Bistum Limburg“ in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung und dem Caritasverband für die Diözese Limburg eingeladen.

Religiöse Pluralität in Deutschland

Inwieweit religiöse Pluralität in Deutschland ein Faktum ist, zeigte Barbara Reutelsterz, Bistumsbeauftragte für Willkommenskultur, in ihren Begrüßungsworten anhand einer Grafik auf. Diese stellte den 16 Teilnehmenden des Fachtags die prozentualen Anteile der Zugehörigkeiten zu weltanschaulichen Überzeugungen in Deutschland dar. „Debatten verlaufen aber allzu oft polarisierend und häufig gibt es ein fehlendes Verständnis für das vermeintlich ´Andere´.“ Der Fachtag gab Gelegenheit, das eigene Wissen zum Islam zu erweitern, im Austausch offene Fragen zu klären und damit die Sensibilität im interreligiösen Diskurs zu erhöhen.

Zunächst wurden Artefakte aus verschiedenen Religionen vorgestellt. Die Teilnehmenden erklärten dann zu einigen selbst mitgebrachten Gegenständen, warum sie ihnen in Bezug auf die eigene Religion von großer Bedeutung sind. Ob bei einem Kreuz, Bild oder Kompass: Es stellte sich heraus, dass die persönliche Beziehung zu dem Gegenstand eine viel größere Rolle spielt, als dessen vordergründiger Symbolwert oder Zweck. Bezogen auf die Situation von Geflüchteten führte dies zu der Erkenntnis, dass auch sie nicht „ihre Religion“, sondern das darin Erfahrene, familiär Tradierte sowie ihre persönliche Überzeugung mitführen. Dieser Glaube ist auf der Flucht, aber auch im neuen Umfeld vielfältigen Einflüssen ausgesetzt, was den Einzelnen vor große Herausforderungen stellen kann.

Muslimische Referentin informiert über Hintergründe

Der Fachtag gab den Teilnehmenden die Gelegenheit, mit der Referentin und muslimischen Krankenhausseelsorgerin Songül Yaşar ins Gespräch zu kommen. Sie gab Hintergrundinformationen zur Entstehung des Islam, erklärte Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten oder ordnete die Bedeutung einer Fatwa ein. Darüber hinaus beantwortete sie viele Fragen zu den Botschaften des Koran und wie Glaubensüberzeugungen praktisch gelebt werden. Yaşar gab dabei auch Auskunft zu persönlichen Überzeugungen und ihrer eigenen, gelebten Glaubenspraxis. So bezog sie Stellung zu stark diskutierten Themen wie das Bedeckungsgebot für Mädchen, Frauenrechten und Gleichberechtigung.

Die Teilnehmenden, die sich überwiegend ehrenamtlich in der Arbeit mit Geflüchteten engagieren, brachten bereits Vorerfahrungen mit: „Ich habe durch die Flüchtlinge so viel gelernt. Ich habe seitdem viel mehr Anknüpfungspunkte zu Muslimen!“ , betonte eine Person. Die Teilnehmenden benannten aber auch Beispiele aus ihrer Praxis, die Fragen aufwerfen, an Grenzen führen oder Widersprüche aufdecken: „Wie kann ich Frieden predigen und Gewalt ausüben?“

Widersprüche gibt es auch im Christentum

Dass gerade hier nicht nur im Islam, sondern auch im Christentum Widersprüche existieren, zeigte der zweite Referent des Fachtags, Dr. Frank van der Velden:  „Alle Religionen haben massive Probleme damit, ihre Botschaft zu rezipieren“, betonte Van der Velden. Der Islambeauftragte des Bistums Limburg wies immer wieder im Gespräch auf Verbindungen zwischen den Religionen hin und ermunterte dazu, selbstreflexiv auf sich zu schauen. Zu bestehenden Zwängen und Unterdrückung betonte Frau Yaşar: „Alles, was Sie verachten, verachten auch viele Muslime.“

Der Transfer zur eigenen religiösen Überzeugung und Glaubenspraxis wurde immer wieder hergestellt, was viele weitere Parallelen erkennen ließ. Auch im Christentum gibt es liberale wie konservative Strömungen und auch unser Glaube ist stark durch kulturelle, aber auch familiäre Traditionen geprägt.

Der Fachtag brachte für die Teilnehmenden  „Licht ins Dunkel“. Dass es dennoch Grenzen gibt, wurde auch deutlich: Denn ein breiteres Wissen helfe zwar, besser zu verstehen, löse aber die Widersprüchlichkeiten nicht auf. „Die sind manchmal nur schwer auszuhalten“, hieß es. Daher soll es auch weiterhin Begleitangebote für Engagierte in der Arbeit mit Geflüchteten geben. Eine Teilnehmerin des Fachtags meldete zurück: „Ich wünschte mir noch mehr solche ´Aha-Runden´.“ Andere äußerten konkrete Themenwünsche, die die Veranstalter in die Planung weitere Fortbildungsveranstaltungen einbeziehen werden. (Barbara Reutelsterz/clm)