Kategorien &
Plattformen
Einen neuen Bischof erwartet keine Baustelle
Einen neuen Bischof erwartet keine Baustelle

Einen neuen Bischof erwartet keine Baustelle

LIMBURG.- Das Bistum Limburg wird im Jahr 2016 weiter finanzielle und personelle Ressourcen für den Aufbau einer Willkommenskultur für Flüchtlinge bereitstellen. Dies hat Weihbischof Manfred Grothe, der Apostolische Administrator des Bistums Limburg, beim Neujahrsempfang der Diözese am Sonntag, 17. Januar, auf dem Domberg in Limburg deutlich gemacht. Mit Blick auf die Ereignisse der Silvesternacht in Köln sei es wichtig, die Sorgen und Ängste der Menschen ernst zu nehmen. "Integration ist eine große Aufgabe, die wir nur gemeinsam meistern können. Als Bistum werden wir uns dafür einsetzen, dass Integration langfristig gelingen kann", sagte Grothe vor etwa 200 Gästen im Limburger Bischofshaus.

Das Bistum Limburg werde im neuen Jahr auch einen neuen Bischof bekommen, so der Apostolische Administrator. Das Selbstbewusstsein der Diözese sei stark und das kirchliche Leben lebendig. Einen genauen Zeitpunkt für die Einführung eines neuen Bischofs konnte Grothe zwar nicht benennen. Dennoch sei er sicher, dass es im neuen Jahr passiere. "Einen neuen Bischof erwartet kein Bistum, das eine große Baustelle ist, sondern Menschen, die mit ihm Kirche gestalten wollen", so der Apostolische Administrator. Noch sei der offizielle Startschuss für den Prozess der Bischofsfindung nicht gefallen. Das Domkapitel, dem Grothe erneut sein Vertrauen aussprach, sei jedoch gut auf die Wahl vorbereitet und werde zu gegebener Zeit aus der sogenannten Terna den neuen Limburger Bischof wählen, so wie es das Preußenkonkordat vorsieht.

Mit dem Jahresbeginn gibt es im Bistum Limburg insgesamt 30 Pfarreien neuen Typs. Damit ist ein Großteil der etwa 45 neuen Pfarreien gegründet. "Wir spüren in unseren Pfarreien, dass es ein einfach Weiter so nicht mehr geben kann", sagte Grothe. Neues müsse wachsen und es müsse ein Prozess der Kirchenentwicklung beginnen, der Menschen mitnehme, um nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. Daher plane das Bistum einen partizipativen, kommunikativen und spirituellen Prozess der Kirchenentwicklung. Dieser Weg soll mehrere Jahre gehen und mit einer Pastoralwerkstatt im Juni 2016 beginnen.

Eine Chance für die Diözese und für die Weltkirche sieht Grothe im Heiligen Jahr, das Papst Franziskus am 8. Dezember als Jubiläum der Barmherzigkeit eröffnet hat. "Barmherzigkeit ist ein Grundwesen unserer Kirche und will jeden und jede von uns innerlich erfüllen und verwandeln", so Grothe.

Mit Herzblut und Glauben Kirche gestaltet

Zum traditionellen Neujahrsempfang des Bistums mit Pontifikalamt und Begegnung waren mehr als 200 Gäste in die Bischofsstadt an der Lahn gekommen. Domdekan Prälat Dr. Günther Geis konnte die zahlreichen Vertreter aus Politik, aus dem Domkapitel, dem Klerus, den Orden, aus den kurialen und synodalen Gremien sowie den Medien begrüßen. Zum ersten Mal fand der Empfang im Konradinerkeller, dem größten Raum des Limburger Bischofshauses statt. Geis nutzte die Gelegenheit, um dem Apostolischen Administrator für seinen bald zweijährigen Dienst in der Diözese Limburg zu danken. Umsichtig, einfühlsam und vertrauensbildend leite Grothe das Bistum und sei so zum Segen geworden.

Domkapitular Wolfgang Rösch, der Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators ließ das Jahr 2015 mit seinen vielen Ereignissen und Entwicklungen Revue passieren. "Wir haben sehr konstruktiv gearbeitet und wissen uns als Kirche von Limburg gut in die Welt und in die Gesellschaft eingebunden", sagte Rösch. Auch 2015 hätten wieder viele Menschen mit viel Herzblut und Glauben Kirche gestaltet. Der Ständige Vertreter blickte auf das Engagement der Diözese beim Aufbau der Willkommenskultur für Flüchtlinge. Die Diözese habe eine Familienbildungsstätte und mehr als 60 weitere Wohnungen und Einrichtungen als Wohnraum zur Verfügung gestellt. Wahrscheinlich sei die Zahl jedoch weitaus höher, jedoch nicht ans Bistum zurückgemeldet. Das Bistum habe insgesamt 3,3 Millionen Euro für den Aufbau eines Fonds investiert. Hieraus werden Koodinationsstellen in den Bezirken sowie Initiativen und Aktionen finanziert, die Ehrenamtliche unterstützen und Flüchtlingen zu Gute kommen.

Revue auf 2015

Ein starkes Zeichen der Lebendigkeit des Bistums sieht Rösch in den gelungenen Großveranstaltungen und Festlichkeiten des vergangenen Jahres. Mehr als 600 junge Christen seien beim Diözesanjugendtag in Limburg mit dabei gewesen. Mehr als 2.000 Teilnehmer zählte die Familienwallfahrt der Bistümer Limburg, Trier und Köln, die zum ersten Mal in die Diözese führte. Rekordanmeldezahlen verzeichneten der Tag der Silberpaare (840 Teilnehmer) und der Tag der Ehejubiläen mit 360 Paaren. Gefeiert wurde im Jahr 2015 auch der 850. Todestag der Heiligen Elisabeth von Schönau, der 10. Geburtstag der Jugendkirchen in Limburg, Wiesbaden und Frankfurt sowie das 25-jährige Jubiläum der internationalen Freiwilligendienste im Bistum Limburg. Als sehr gelungen bewertete Rösch auch die zentralen Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Frankfurt.

Rösch rief auch die Personalveränderungen in der Diözese, die es im Jahr 2015 gab, neu ins Bewusstsein. Wiesbaden habe mit Klaus Nebel nach zwei Jahren der Vakanz einen neuen Stadtdekan bekommen. Das Limburger Domkapitel sei vervollständigt worden und mit Andreas Bollendorf sei ein würdiger Nachfolger für Domkantor Klaus Knubben als Leiter der Domsingknaben gefunden worden. Nach 29 Jahren sei auch die Ära von Prälat Helmut Wanka als Personaldezernent zu Ende gegangen. Neuer Personaldezernent ist Georg Franz. Das Amt des Diözesanjugendpfarrers hat Uwe Michler aus Diez zusätzlich übernommen. Die beiden Museen des Bistums in Limburg und in Frankfurt haben mit Professor Matthias T. Kloft und Dr. Bettina Schmitt eine neue Leitung bekommen und auch das Justitiariat des Bistums sei mit Dr. Sascha Koller zum Jahresbeginn neu besetzt worden.

Welttag des Migranten und des Flüchtlings

Das Bistum Limburg ist Teil der Weltkirche und hat viele Kontakte zu Partnern in Konfliktregionen. Zum Welttag des Migranten am 17. Januar hat die Abteilung Weltkirche und der Weltkirche-Ausschuss des Bistums die Aktion "Neujahrsbrief in Konfliktregionen" initiiert. Die Aktion soll für Menschen im Nordirak, in den ukrainischen Bistümern sowie in Nordkamerun ein Zeichen der Hoffnung und der Solidarität senden. Mehr als 2.500 Gläubige aus dem Bistum Limburg haben diesen Brief unterschrieben. In der kommenden Woche wird der Apostolische Administrator den Brief in die Krisenregionen schicken. (StS)